Mannheim: Die Eintracht ist unzerstörbar

Der Turm der Konkordienkirche
hat das Inferno überlebt

Sie kamen acht Minuten vor Mitternacht. 605 Bomber der britischen Royal Air Force, beladen mit 350000 Sprengkörpern. Zwei Stunden später gab es die Mannheimer Quadrate nicht mehr. Alles Schutt und Asche.

Doch als die Menschen wieder aus ihren Schutzräumen krochen, trauten sie den Augen kaum: Inmitten all der Trümmer ragte noch immer der Turm der Konkordienkirche zum Himmel empor. 96 Meter hoch und völlig unversehrt. Ein Stein gewordener Zeigefinger Gottes, der zur „Concordia“ mahnte. Zur Eintracht.

Mannheim wurde als Festung gegründet. Ein Bollwerk gegen Frankreich.

Mannheim wurde nicht als Siedlung gegründet sondern als Festung. 1606. Der Ort sollte das Bollwerk sein, das die reformierten Lande vor den katholischen Franzosen schützte. Es hat nicht funktioniert. Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten die Franzosen die Kurpfalz und schrumpften sie auf ein Minimum ihrer einstigen Größe.

Moderne Prinzipalien
von Madeleine Dietz

Als Kurfürst Karl Ludwig sein Restland wieder in Besitz nahm, war es menschenleer. Weshalb der Calvinist eine Flugblatt verfasste: Er lade „ehrliche Leute aus allen Nationen“ ein, in der Kurpfalz zu siedeln. „Es gibt kostenloses Land und freie Religionausübung“. Sie kamen in Scharen. Mennoniten, Katholiken, Juden, Lutheraner und die verfolgten Reformierten aus Belgien und Frankreich.

Die Festung Friedrichsburg ließ Karl Ludwig wieder aufbauen. Gegen die Franzosen. Und als standesgemäße Unterkunft für seine Zweitfamilie. 1657 nämlich hatte der Kurfürst Luise von Degenfeld geheiratet. Zur „linken Hand“. Nun lebte er abwechselnd mit Luise und ihren 13 Kindern in Mannheim. Und mit Kurfürstin Charlotte und ihren zwei Kindern in Heidelberg.

Die Mannheimer Symmetrie: Zwei identische Gottesdienst-Räume und ein gemeinsamer Turm in der Mitte.

Luise glaubte lutherisch. Sie lehrte Karl Ludwig die Toleranz. In der Friedrichsburg ließ der Kurfürst eine „Concordienkirche“ bauen, die von allen Konfessionen gemeinsam genutzt werden sollte. Bei der Einweihung predigten ein reformierter und ein lutherischer Pastor sowie ein Kapuzinerpater.

Jedes Jahr im Januar speist Konkordien
die Ärmsten: „Vesperkirche“

Kurfürst Karl II., der einzige legitime Sohn von Karl Ludwig, drehte die Idee der „Mannheimer Concordie“ weiter. Im Quadrat R 2 gab er eine Kirche in Auftrag mit zwei identischen Gottesdiensträume und einem gemeinsamen Turm in der Mitte. Die „Mannheimer Symmetrie“ war geboren. Sie würde in die Architekturgeschichte eingehen.

Im Oktober 1688 feierten Mannheims Reformierte den ersten Gottesdienst in ihrer Doppelkirche. Vier Monate später den letzten. Der Pfälzische Erbfolgekrieg hatte begonnen. Die Franzosen sprengten die „überaus schöne neue Kirche mit ihrem Turm“, berichtet die Chronik.

Die dreistufige neubarocke Zwiebel wurde erst 1893 aufgesetzt. Der höchste Kirchturm Mannheims.

Das Jahr 1711. Mannheim besaß jetzt ein barockes Traumschloss und war die Hauptstadt der Kurpfalz. Eleganz pur. Gleich drei Zweiflügelanlagen im Stil der „Mannheimer Symmetrie“ hatte Kurfürst Carl Philipp errichten lassen: Die neue Konkordienkirche, das Rathaus mit katholischer Kirche am Marktplatz und das Kaufhaus am Paradeplatz. Keine andere Stadt kannte Vergleichbares.

Die Orgel ist das Jubiläums-Werk
der Firma Weigle: „Opus 1000“

Der Turm dieser dritten barocken Konkordienkirche war noch deutlich niedriger als heute. Die dreistufige neubarocke Zwiebel wurde erst 1893 aufgesetzt. Es ist der höchste Kirchturm Mannheims. Und wahrscheinlich auch der stabilste. Sonst hätte er die Bombennacht des 5. September 1943 nicht überlebt.

Einige Tage nach der Zerstörung Mannheims stiegen die Ältesten in den Keller des Turms hinab, um die Statik zu überprüfen. Man plante, den Turm als Notkirche zu benutzen. Die Männer entdecken in einer Gruft den eleganten Zinksarg der Luise von Degenfeld. Karl Ludwigs große Liebe ist nur 43 Jahre alt geworden. Sie starb bei der Geburt ihres 14. Kindes. Es war ein Mädchen.

Name: Citykirche Konkordien
Adresse: R 2, 1, 68161 Mannheim
Konfession: evangelisch
Baujahr: 1717 / 1800 / 1952
Baustil: Barock / Neubarock /Moderne
Kunstschätze:
– Prinzipalstücke von Madeleine Dietz aus Stahl und gebrannter Erde
– Moderne Kirchenfenster des Mannheimer Künstlers Karl Rödel
– Im Mittelgang ein „Barcode“ der koreanischen Künstlerin Minah Son. Worte aus der Offenbarung des Johannes
– An der Rückseite des Altarraumes zwei „Ebenbilder“ des Münchner Künstlers Gregor Cuerten
– Jubiläums-Orgel der Firma Weigle aus Echterdingen: „Opus 1000“
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 11 bis 15 Uhr
Kontakt: Citygemeinde Hafen-Konkordien, R 3, 3 , 68161 Mannheim
Telefon: 0621-28000-134
E-Mail: citygemeinde.hafen-konkordien.mannheim@kbz.ekiba.de
Internet: www.citygemeinde-hafen-konkordien.de

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