Heidelberg: Ein Geschenk der Liebe

Die Heidelberger Providenzkirche
ist ein Symbol für religiöse Toleranz

Sie wirkt introvertierter als ihre drei großen Schwestern. Fast ein wenig scheu. Während die Heiliggeist-, die Jesuiten- und die Peterskirche freistehend über die Heidelberger Altstadt herrschen, reiht sich die Providenzkirche bescheiden in die Häuserzeile der Hauptstraße ein. Als wollte sie übersehen werden. Doch das wäre schade.

Denn Providenz war nicht nur das erste Gotteshaus Heidelbergs, das als protestantische Kirche gebaut wurde. Sie ist auch ein Symbol. Für religiöse Toleranz und den Sieg einer Liebe über alle Konventionen. Und manchmal zu Mittag, wenn die Sonne durch das Südfenster flutet, offeriert Providenz sogar einen Vorgeschmack aufs Himmelreich. So sehr leuchtet sie.

Woher die Menschen kamen, war Karl-Ludwig egal. Woran sie glaubten, noch egaler.

Bescheiden reiht sich
Providenz in die Häuserzeile ein

Es war das Jahr 1650. Der Dreißigjährige Krieg war vorbei, die Kurpfalz menschenleer. Verheertes Land. Der neue Kurfürst Karl Ludwig, 33, kannte daher nur ein Ziel: Mehr Bewohner in die Kurpfalz locken. Bauern, Handwerker, Kaufleute. Woher die Menschen kamen, interessierte Karl Ludwig nicht. Woran sie glaubten, noch weniger. So viel Liberalität fand man im 17. Jahrhundert selten. Zumal bei einem Calvinisten.

Also kamen sie. Die Mennoniten und die Katholiken, die Juden und die Wiedertäufer, die Lutheraner und die Sabbatianer. Heidelberg blühte wieder.

Luise bekam 13 Kinder, allesamt nicht erbberechtigt.

Nur Karl Ludwig schlich mürrisch durchs Schloss. Er ärgerte sich über die Launen seiner Gattin Charlotte. Zwei Kinder hatte das Paar, Liselotte und Karl, doch glücklich war die Ehe nicht. Weshalb des Kurfürsten Blick auf Luise von Degenfeld fiel, die sanfte Hofdame seiner Gemahlin. 1657 heiratete Karl Ludwig seine Luise. Zur „linken Hand“. Die Kurfürstin hat sich nie scheiden lassen. Luise bekam 13 Kinder, allesamt nicht erbberechtigt.

Seit 1911 strahlt die Kirche im
seltenen Stil der Neo-Renaissance

Doch wenigstens einen Wunsch konnte Karl Ludwig seiner Herzensdame erfüllen: Luise glaubte lutherisch und sehnte sich nach einer Kirche für ihre Gemeinde. Sofort nach der heimlichen Eheschließung legte der Kurfürst den Grundstein für den Neubau. Als Namen wählte er seinen eigenen Wahlspruch: „Dominus providebit“ – „Der Herr wird sorgen“.

1661 war Providenz fertig. Ein perfektes lutherisches Gotteshaus: Zwei Emporen umrahmten den Saal an drei Seiten. An der Ostwand hing allein die Kanzel. Im Chor hatte man Altar und Orgel in einem massiven Block zusammengefasst. Das war neu, innovativ, wahrhaft protestantisch. Diese erste Providenzkirche wäre heute berühmt, wenn etwas von ihr übrig geblieben wäre. Doch sie starb 1693 im Inferno des Pfälzischen Erbfolgekrieges.

Das Zentrum des Kirchenraums bildet jetzt das monumentale Christusfenster an der Südwand.

Das Grabmal der
Eleonora von Bettendorf

24 Jahre später der Neubau. Im modernen Stil des Barock. Diesmal sogar mit Turm, den eine luftige Zwiebel krönte. Der barocke Innenraum orientierte sich an seinem Vorgänger: Wieder eine Altar-Orgel-Wand, wieder eine Doppelempore. Neu waren die Ausmalungen, die fast den gesamten Kirchenraum zierten. Eine Bibel in Bildern.

Auch sie ist inzwischen Geschichte. 1911 nahm sich Hermann Behaghel der Kirche an, die sehr in die Jahre gekommen war. Der Badische Oberbaurat entschloss sich zu einer Sanierung im seltenen Stil der „Neo-Renaissance“. Eine prachtvolle Stuckdecke unterstreicht seither die Eleganz des Kirchenraums. Sein Zentrum bildet jetzt das monumentale Christusfenster in der Südwand. Der Heiland scheint förmlich zu den Bänken hinabzuschweben. Empore, Tischaltar und Kanzel nehmen sich bewusst zurück. Die Orgel zählt zu den besten Instrumenten der Stadt.

Ein einziges Stück aus dem Barock hat die Renovierung überlebt: Das opulente Mamorgrabmal für Eleonora Charlotte von Bettendorf. Es ist das schönste Barockgrabmal Heidelbergs.

Name: Providenzkirche
Adresse: Hauptstraße 90a, 69117 Heidelberg
Konfession: evangelisch
Baujahr: 1661 / 1717
Baustil: Barock / Neo-Renaissance
Kunstschätze:
– Reich dekoriertes Alabastergrabmal der Eleonora Charlotte von Bettendorf (1746) in der Vorhalle
– Ungewöhnlich reich verzierte Kirchturmspitze, bekrönt von einer von einer Laterne mit elegantem Zwiebeldach, Turmknopf und Kreuz (wahrscheinlich von Johann Jakob Rischer)
– Historistisches Glasfenster mit dem Bildnis des verklärten Christus (um 1845)
– Historistische Seitenfenster mit den Bildnissen von Kurfürst Ottheinrich und Großherzog Karl Friedrich von Baden (1886). Aus der Werkstatt von Heinrich Beiler
– Prinzipalstücke im Stil der Neo-Renaissance
– Orgel von Matthias Burkard 1885
Öffnungszeiten: tagsüber geöffnet
Kontakt: Evangelisches Pfarramt Heiliggeist-Providenz, Heiliggeiststraße 17, 69117 Heidelberg
Telefon: 06221 / 21117
E-Mail: Altstadtgemeinde.Heidelberg@kbz.ekiba.de
Internet: www.altstadtgemeinde.de

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