Bammental: Ein Platz an der Sonne

Die Pfarrkirche St. Dionys
ist ein Glückskind

In der Kasse lagen gerade mal 337 Mark. Andere hätte damit ein Gemeindefest geplant. Bammentals Katholiken beschlossen, eine Kirche zu bauen. Man habe fleißig gesammelt, schrieb der Pfarrer an den Erzbischof. Nun bitte man um „Unterstützung unseres Eifers“.

Die Sache hat funktioniert. Freiburg überwies 1000 Mark für einen Bauplatz. Die katholischen Bammentaler erwarben einen sonnigen Acker in der Dorfmitte. Der Anfang war gemacht. Heute, mehr als hundert Jahre später, steht auf dem Sonnenplatz eine hübsche Kirche im Stil des Neo-Rokoko. In den 1970er Jahren wäre das Gotthaus beinahe wieder abgerissen worden. Doch dann hat man es genial modernisiert. Viele Wunder. So ist Bammental.

Bammental liegt exakt auf der Schwelle zwischen Kraichgau und Odenwald. Ein geologischer Kraftort.

Wir befinden uns an einem geologischen Kraftort. Bammental liegt exakt auf der Schwelle zwischen dem Muschelkalk des Kraichgaus und dem Bundsandstein des Odenwalds. Das macht was mit den Menschen. Weshalb schon die Merowinger 769 ein Kapellchen bauten. Genau da, wo sich der Sandstein unter den Kalk schiebt.

Die Kreuzigungsgruppe lag im Keller.
Dann wurde sie gerettet.

Das 14. Jahrhundert errichtete eine Feldsteinkirche, anempfohlen dem heiligen Dionysius. Das ist der, der seinen Kopf in der Hand trägt. Der Turm der alten Kirche ist heute das Wahrzeichen von Bammental. Das Dionys-Patrozinium wurde 1913 auf die neue katholische Kirche übertragen. In ihr befindet sich auch das gotische Sakramentshäuschen. Traumschön.

Oberbaudirektor Maier: „Die Kirche soll freundlich in den Ort schauen.“

1862 war es vorbei mit der Ruhe an der Elsenz. Die Eisenbahn machte Bammental zum Industriestandort. Es gab eine Tapeten- und eine Zigarrenfabrik. Das Dorf wuchs. 1903 bauten sich die Evangelischen ein neuromanisches Gotteshaus in Sichtweite des alten Turms. 1912 erschien der katholische Oberbaudirektor Ludwig Maier auf der Bildfläche. „Bammental ist ein lang gestreckter Ort, der sich am Fuße einer Anhöhe dahinzieht“, notierte der Architekt. „Die Protestanten haben hier eine große Kirche erstellt. Sie wirkt ernst. Die katholische soll freundlich in den Ort herabschauen.“

Während Maier noch kecke Zwiebeltürmchen zeichnete, stand der Bammentaler Pfarrer Wilhelm Frei schon im Keller der katholischen Kirche von Neckargemünd. Hier nämlich lagerte eine ausrangierte barocke Kreuzigungsgruppe mit lebensgroßen Figuren.

Doppelter Gewinn: Der Neubau bietet
Platz und die alte Kirche blieb

Später wird man das Werk Peter van den Branden zuschreiben, der die Kornmarkt-Madonna in Heidelberg geschaffen hat. Doch noch war das Steinkruzifix nur Sperrmüll. Frei griff zu, oderte einen passenden Hochaltar und ein paar Kirchenfenster. Architekt Maier stand vom Donner gerührt.

Der tapfere Widerstand des Pfarrers und eines Kunsthistorikers rettete die Rokoko-Kirche

Fünfzig Jahre später. 1963. Bammental hatte sich zu einem beliebten Wohnort gemausert. Die katholische Gemeinde war enorm gewachsen, St. Dionys zu klein geworden. Das Rokoko-Gotteshaus muss weg, entschied das Erzbistum. Es wird ersetzt durch einen Neubau aus Sichtbeton mit 600 Plätzen. Bauchweh in Bammental.

Dass St. Dionys trotzdem noch steht, verdankt die Welt einem Kunsthistoriker aus Heidelberg und dem tapferen Pfarrer Schauber. Sie leisteten so erbittert und sachkundig Widerstand, dass Freiburg aufgab. Man entfernte lediglich die bergseitige Wand der Pfarrkirche und baute ein neues Kirchenschiff an.

Der Künstler Valentin Feuerstein
entwarf den expressiven Fensterzyklus

Punkt zehn Uhr morgens fällt das Sonnenlicht durch einen Spalt im Dach

Sein Flachdach besitzt einen Lichtschlitz. Punkt zehn Uhr morgens, wenn die Messe beginnt, fällt das Sonnenlicht so genial durch diesen Spalt, dass die Altarwand aufstrahlt, als hätte jemand Scheinwerfer eingeschaltet.

Und dann beginnt der „Baum des Lebens“ zu funkeln, der heute die barocke Kreuzigungsgruppe umschlingt. Federleicht und frühlingsfroh. Aus dem Holz des Kreuzes sprießen hellgrüne Zweige und goldene Früchte. Die Vögel tanzen. So ist Bammental.

Name: St. Dionys
Adresse: Fischersberg 3, 69245 Bammental
Konfession: katholisch
Baujahr: 1912 / 1975
Baustil: Neorokoko / Moderne
Kunstschätze:
– Barocke Kreuzigungsgruppe, Peter van den Branden zugeschrieben
– Apostelsteine im Betonguss von Valentin Feuerstein
– Ausdrucksstarker moderner Fensterzyklus von Valentin Feuerstein
– Spätgotische Sakramentsnische
– Historistische Fenster von 1913: Katharina von Alexandria, Karl Borromäus, Taufe Jesu
– Seitenaltar im Stil des Neurokoko
– Heiligenfiguren aus dem 18. Jahrhundert
– Moderne Prinzipalien von Frido Lehr
Öffnungszeiten: tagsüber geöffnet
Kontakt: Pfarrbüro Bammental Pfarrhaus St. Dionys, Fischersberg 3, 69245 Bammental
Telefon: 06223 – 48901-0
E-Mail: bammental@kath-neckar-elsenz.de
Internet: www.kath-neckar-elsenz.de/bammental

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