Hardheim: Mit dem Licht des Mittelalters

St. Alban hat die Aura einer neuromanischen Kathedrale

Am besten kommt man von hinten, vom alten Marstall her. Da ist Hardheim am idyllischsten. Ein bildhübsches Renaissanceschloss steht in einem verwunschenen Park, der einst ein Wassergraben war. Verwitterte Kreuzwegstationen erzählen von der Frömmigkeit des Baulandes. Irgendwo plätschert ein Brunnen. Und hoch über alldem wacht St. Alban.

Stolz, kerzengerade und majestätisch steht die katholische Pfarrkirche auf einem Plateau über dem Städtchen. 53 Meter hoch wächst ihr spitzer Turm in den Himmel. Das Gotteshaus hat die Aura einer Kathedrale und birgt in seinem Inneren einen neuromanischen Paradiesgarten. Ein Ausflug in den badischen Nordosten. Ans Ufer der Erfa.

Majestätisch wächst der spitze Turm 53 Meter in die Höhe

Die Hardheimer nennen ihre Kirche stolz den „Erfataldom“

Das Bauland ist ein schönes, aber karges Fleckchen Erde. Die mittlere Jahrestemperatur liegt zwei Grad tiefer als in der Rheinebene. Der Boden besitzt nur eine dünne Lößauflage, weshalb Hardheims Geschichte voll ist von Missernten und Hungersnöten. Alles andere würde man hier draußen eher erwarten als eine goldglänzende Basilika mit Mosaikwänden und Baldachinaltar. Die Hardheimer nennen sie stolz den „Erfataldom“.

Zu verdanken hat Hardheim dieses kleine Wunder einem ambitionierten jungen Architekten, der vor Ideen sprühte und Karriere machen wollte. Was Ludwig Maier auch gelungen ist. Fast hundert katholische Kirchen hat er in Nordbaden gebaut. St. Alban, 1899 geweiht, war eine der ersten. Und eine der spannendsten.

Gold glänzt auf den Wänden und dem Baldachinaltar

Vielleicht, weil sich Maier profilieren wollte. Vielleicht aber auch, weil er sich noch an der Romanik orientierte. Später hat er überwiegend neugotisch gebaut.

Romanisches Dämmerlicht zaubert eine mystische Stimmung

Sankt Alban greift weit zurück in die Geschichte. Im Jahr 397 starb in Mailand Bischof Ambrosius. Hochverehrt. Die Mailänder bauten für heiligen Ambrosius eine Grabeskirche. Hier ruht sein Leichnam noch heute unter einem Baldachinaltar, umgeben von funkelnden Mosaiken, Rundbögen und sehr hoch liegenden Fenstern. Damit die profane Welt draußen bleibt. Mit etwas Phantasie erkennt man viele dieser Details in Hardheim wieder.

Romanisches Dämmerlicht zaubert auch in St. Alban eine mystische Stimmung. Alle Augen und Herzen sollen allein auf den Altar konzentriert sein, der das Zentrum der Kirche bildet. Strahlend golden wird er von einem steinernen Baldachin bekrönt, der auf runden Säulen fußt.

„Ciboriumsaltar“ nennt man solch ein Tabernakelhaus. Es soll als Pforte fungieren zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt, die Christus in der Eucharistie miteinander vereint. Katholischer geht es nicht.

In der hohen Kuppel tummeln sich Engel, Evangelisten und Sterne

400000 Mark hat der Kirchenbau verschlungen. Zu viel für Hardheim

Das hohe Mittelschiff von St. Alban ruht auf mächtigen „romanischen“ Säulen, die von zwei großen Buntglasfenstern in himmlisches Licht getaucht werden. An der Decke tummeln sich Engel, Evangelisten, Sterne … Unentwegt entdeckt man in der Hardheimer Kirche wieder Neues.

Acht Jahre hat Ludwig Maier an St. Alban gebaut. Stattliche 400000 Mark hat das Unternehmen verschlungen. Zu viel für Hardheim. Gerade mal 170000 Mark konnten Bauländer aufbringen. Der Rest musste jahrelang mühsam abgestottert werden.

Die modernen Künstlermosaike fügen sich wunderbar ein in den Paradiesgarten an der Erfa

Die Wände zieren heute moderne Künstlermosaike

Erst 1912 konnte die Ausmalung des Innenraums in Angriff genommen werden. Wie diese Malereien ausgesehen haben, wissen heute nur noch alte Fotos. 1964, nach dem II. Vatikanischen Konzil, hat man das Kirchenschiff weiß übertüncht. Vorbei war’s mit dem Zauber der Romanik.

Was man 1989 fürchterlich bereute. Die Ornamente wurden rekonstruiert. So gut es ging. Die Gemälde jedoch sind für immer verloren. Seit 1992 zieren moderne Künstlermosaike die leeren Flächen an der Wand. Sie fügen sich wunderbar ein in den Paradiesgarten am Ufer der Erfa.

Kirchenfakten
Name: St. Alban
Adresse: Schlossplatz, 74736 Hardheim
Konfession: katholisch
Baujahr: 1899
Baustil: Neuromanik
Kunstschätze:
– reich geschmückter Ciboriumsaltar 
– Seitenaltäre von Karl Ludwig Bernhard
– Mosaikzyklus nach Entwürfen von Franz X.W.Braunmiller, gestaltet von der Franz Mayerschen Hofkunstanstalt in München
– Figuren des Heiligen Kilian, Bonifatius und Albanus an der Freitreppe
– Grabplatten aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert in der Chormauer
– Vleugels-Orgel „St. Alban, Hardheim III/48“ mit drei Manualen
Öffnungszeiten: tagsüber geöffnet
Kontakt: Pfarramt Hardheim, Schlossplatz 4, 74736 Hardheim
Telefon: 06283-6213
E-Mail: pfarramt.hardheim@se-madonnenland.de
Internet: www.se-madonnenland.de

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