Meckesheim: Der Kraftort auf dem Sonnenhügel

Es ist es nur eine kleine Ruine. Vier mannshohe Mauern aus Sandstein, ein gotischer Chorbogen, zwei leere Fensteröffnungen. Auf einer sonnigen Anhöhe oberhalb des Lobbachtals gelegen. Doch wenn man näher kommt, spürt man die Aura.

Die Martinskapelle erzählt. Von fernen Tagen. Von den Römern, die hier ihren Göttern gehuldigt haben. Vor mehr als 2000 Jahren. Von den Franken, die das erste Kapellchen bauten. Aus rohem Holz. Im siebten Jahrhundert. Und von den Meckesheimern, die diesen Hügel hinaufpilgerten. Um zu beten. Um Gottes Hilfe zu erflehen. Und um ihre Toten zur Ruhe zu betten. Willkommen am Kraftort.

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Im Kraichgau gibt es diesen schönen Spruch: „Egal, wo man bei uns ein Loch buddelt, man findet immer alte Scherben.“ Was kein Wunder ist. Schließlich haben die Römer das fruchtbare Hügelland mehr als zweihundert Jahre lang in ein gigantisches Gemüsebeet mit Getreidegarnitur verwandelt. Um ihre Armee zu ernähren. Unzählige „villae rusticae“ müssen hier gestanden haben. Feldern so weit das Auge reichte.

Ihr Seelenheil suchten die Römer gern an Quellen. Weil lebendiges Wasser eine starke spirituelle Austrahlung hat. Und die Kraft aus dem Inneren der Erde spürbar macht. Es ist nicht bewiesen, dass der Platz, wo heute die Martinskapelle steht, einst eine römische Kultstätte war. Aber die Quelle ist da. Und die Magie des Ortes auch. Man hat sogar Reliefsteine gefunden. Merkur und Minerva. Sowie Splitter eines Inschriftenbandes, das von einer Jupitergigantensäule stammen könnten. Gesegnete Erde. Womöglich schon seit der Antike.

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Siebenhundert Jahre später. Die Franken haben die garstigen Allamanen verjagt und an der Quelle ein christliches Kapellchen errichtet, geweiht dem heiligen Martin. Möglicherweise war das die erste Kirchengründung im Kraichgau überhaupt. Mit dem Martinskirchlein begann die Geschichte des Weilers Meckesheim. Gehöft um Gehöft gruppierte sich um das neue Gotteshaus. Zumal man hier oben sicher war vor den garstigen Hochwassern der Elsenz. 822 wird Meckesheim im Codex des Klosters Lorsch erstmals erwähnt. Doch das Dorf ist sicher älter.

Das 12. Jahrhundert hat St. Martin wohl zum Wehrkirchlein ausgebaut. Mit einem Chorturm aus staufischen Buckelquadern, fast zehn Meter stark. Einige der Quadersteine sind bis heute erhalten. Zweihundert Jahre später avancierte die Martinskirche sogar zum Wallfahrtsort. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man an der Außenseite der Ruine noch eingegrabene Kerben, wo die Menschen Steinstaub herausgekratzt haben. Um ihn ins Essen und ins Tierfutter zu mischen. Als himmlische Hilfe gegen Krankheiten.

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Das gotische Gemäuer, das wir heute zärtlich „Martinskapelle“ nennen, war einst der Chor der Pfarrkirche von Meckesheim. Über dem Fenster steht die Jahreszahl 1501. Die Kirche besaß vermutlich ein Kreuzgewölbe, von dem nur die Eckkonsolen überlebt haben. St. Martin markierte auch den Mittelpunkt des Friedhofs von Meckesheim. Das Dorf selbst war inzwischen in Talaue hinunter gezogen. Sein Wasser erhielt es aber bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein von der Quelle am Kirchlein. Eine Leitung beförderte es ins Dorf.

Wann die Martinskirche zerstört worden ist? Und von wem? Man weiß es nicht. Der Bauernkrieg, der Dreißigjährige Krieg, der Pfälzer Erbfolgekrieg – keine Verheerung hat Meckesheim je verschont. Um 1530 wurde eine neue katholische Kirche geweiht. St. Gallus. Mitten im Dorf. Dort, wo heute die evangelische Kirche steht. Lebte St. Martin damals noch? Oder war sie schon, was sie heute ist? Eine kleine Ruine mit riesiger Aura.

Kirchenfakten

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