Dilsberg: Kirchturm in den Wolken

St. Bartholomäus birgt
ein geheimnisvolles Fresko

Es gibt Tage, da schwebt das Städtchen Dilsberg über den Wolken. Wie eine Fatamorgana. Und mittendrin ein spitzer Finger, der gen Himmel weist: Die barocke Pfarrkirche St. Bartholomäus. Das katholische Gotteshaus birgt einen Schatz.

In einer Wandnische, halb verborgen hinter dem Altar, befindet sich ein gotisches Fresko. Man sieht die heilige Margarete – schlank, hochaufgerichtet, schön – wie sie mit einem gewaltigen Kreuz einen Drachen in Schach hält. Und wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt daneben die Fratze eines Teufels, der Margarete frech die Zunge herausstreckt. So war das Mittelalter. Geheimnisvoll wie der jahrmillionenalte Buntsandsteinkegel namens Dilsberg.

Plötzlich baut jeder, der es sich leisten kann, eine Burg. Das Loft des Mittelalters.

Der Teufel steckt Margarete
die Zunge heraus

Das Neckartal im 12. Jahrhundert. Das Weltreich der Stauffer ist gerade dabei zu zerbröseln, die feste Ordnung der Gesellschaft löst sich auf. War es bisher nur dem Hochadel erlaubt, Burgen zu bauen, so tut das plötzlich jeder, der es sich leisten kann. Selbst an absurden Orten mit irrsinnigen Transportkosten. Die Burg als Statussymbol. Das Loft des Mittelalters.

Wirklich gemütlich war das Leben in der Burg allerdings nicht. Es zog, es pfiff, Privatsphäre gabe es kaum, meist lagerten alle ums Feuer herum. Dazu das mühsames Heranschaffen von Baumaterial und Verpflegung. Auf dem Dilsberg gab es bis 1888 noch nicht einmal Wasser.

Ein perfekter Kegel mit grandiosem Blick, umschlungen von einer Neckarschleife

Dafür saß man auf dem schönste Berg weit und breit. Ein perfekter Kegel mit grandiosem Blick, 288 Meter hoch, nach drei Seiten steil abfallend und umschlungen von einer Neckarschleife. Das rief geradezu nach einer Burg. Die Grafen von Lauffen haben die erste gebaut. 1150. Als filigrane Höhenburg. Doch gewohnt haben die Lauffener hier kaum. Als reiche Grafen hatten sie die Auswahl. Hundert Jahre später erbte Boppo VI. von Dürn das verfallende Gemäuer. Leider ohne das nötige Kleingeld, um es in Stand zu halten. Eine Generation später verkaufte man an die Heidelberger Kurfürsten.

Der schönste Berg weit und breit –
aus der Vogelperspektive

Ruprecht I. ließ die zarte Burg zur Festung umbauen. Mit Zugbrücke, Mantelmauer, Buckelquadern und eigenem Städtchen. Die Bewohner der Ebene wurden kurzerhand zwangsumgesiedelt. Zur Aufmunterung spendierte der Kurfürst 1378 den Neudilsbergern eine Kapelle mit Kaplan. Und Teufelsfresko.

Die heutige Innenausstattung war ein Schnäppchen. Und was für eins!

Der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzer Erbfolgekrieg gingen am Dilsberg fast spurlos vorüber. Die Pfälzische Kirchenteilung 1707 jedoch kürte das Kapellchen auf dem Berg zur katholischen Hauptkirche im Raum Neckargemünd. Das Kirchlein barst vor Menschen. Ein Neubau musste her. Am alten Platz, aber im modernen barocken Stil. Aus Kostengründen verwendeten die Dilsberger das alte Mauerwerk einfach wieder.

Ein genialer Entschluss. Der rote Sandstein harmoniert so vortrefflich mit der Burg, dass man kaum glauben kann, dass zwischen den Bauwerken 600 Jahre liegen. 1735 war St. Bartholomäus fertig. Der spitze Turm kam erst hundert Jahre später. Seitdem markiert er weithin sichtbar den Dilsberg.

Die heutige Innenausstattung war ein Schnäppchen. Und was für eins! Wir sehen: Einen kostbaren barocken Marienaltar, entworfen vom kurfürstliche Oberbaumeister Galli da Bibiena. Natürlich nicht für den Dilsberg, sondern für die Heidelberger Hauptkirche. Doch 1870 bei einer Renovierung der Jesuitenkirche haben die Städter den vorzüglichen Schnitzaltar einfach ausrangiert. Der Dilsberger Pfarrer griff zu. Voilà. Bei dieser Gelegenheit machte Hochwürden gleich noch einen zweiten Fang: Die Dilsberger Kanzel stand früher einmal in einem Heidelberger Kloster. Jetzt schwebt sie über den Wolken.

Kirchenfakten

Name: Nikolauskirche
Adresse: Karlsruher Straße, 74889 Sinsheim-Dühren
Konfession: evangelisch
Baujahr: 1494 / 1952
Baustil: Gotik / Moderne
Kunstschätze:
– spätgotischer Chor mit Sterngewölbe von 1494 mit Evangelisten-Symbolen, filigraner Pflanzenornamentik, Wappenschlusssteinen und Büsten an den Gewölbekonsolen
– gotische Maßwerkfenster
– gotische Sakramentshäuschen mit Eisengitter
– spätgotischer Abendmahlskelch auf Silber mit Feuergoldungen von 1497
– gotische Chorfenster von 1497 (Repliken)
Öffnungszeiten: Nach Vereinbarung. Kirchenschlüssel bei: Peugeot-Autohaus Dörr, Frau Pasker (Karlsruher Straße 19 in Dühren) oder bei der Metzgerei Ohr direkt neben der Kirche
Kontakt: Pfarramt Sinsheim-Dühren, Karlsruher Straße 27, 74889 Sinsheim
Telefon: 07261 – 2547
E-Mail: duehren@kbz.ekiba.de
Internet: www.eki-duehren.de

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