Heiligkreuzsteinach: Die Königin des Steinachtals

Die Heilig-Kreuz-Kirche
ist ein Schmuckstück des Barock

Hochaufgerichtet und strahlend schön thront sie oben auf dem Sporn des Sändels. Die Königin des Steinachtals. Eine uralte Sandsteinmauer verleiht der Heilig-Kreuz-Kirche den würdigen Rahmen, eine prachtvolle Zwiebel bekrönt sie. Seit 250 Jahren.

Ein Heilig-Kreuz-Kirchlein gab es in Heiligkreuzsteinach aber schon viel länger. Bereits um 1200 haben Siedler hier eine Kapelle diesen Namens errichtet. Um Gottes Beistand zu erflehen für die Rodung des undurchdringlichen Odenwaldes. Zu Besuch in der Grenzregion zwischen Neckartal und Vorderem Odenwald. Wo der Buntsandstein auf den Granit trifft, und die Welt ein wenig geheimnisvoller ist als anderswo.

Im Mittelalter konnte selbst auf den Höhen des Odenwalds Getreide angebaut werden

Der Ortsname bedeutet: „bei der
Heilig-Kreuz-Kirche über der Steinach“

Im 13. Jahrhundert wurde es in Mitteleuropa angenehm warm. Das Thermometer zeigte konstant etwa zwei Grad mehr als zuvor. Weshalb selbst auf den Höhen des Odenwalds Getreide angebaut werden konnte. „Rodungssiedlungen“ entstanden, in denen sich Kleinbauern niederlassen durften, wenn sie zuvor für ihre Herren den Urwald in Ackerland verwandelt hatten.

1293 taucht erstmals der Name „Heile Crutzesteina“ auf. Als Abkürzung für die Ortsangabe „beim Heilig-Kreuz-Kirchlein über der Steinach“. Das neue Dorf lag 250 Meter hoch und gehörte den Herren von Hirschberg, die in Leutershausen residierten. Weshalb sich Heiligkreuzsteinach noch heute eher zur Bergstraße hin orientiert als zum Neckar.

Zwei originale Splitter vom Kreuz Christi, wunderbar gefasst in eine Rokoko-Monstranz

Im 18. Jahrhundert blühte die Wallfahrt
nach Heiligkreuzsteinach

Ab 1556 – Heiligkreuzsteinach war inzwischen kurpfälzisch geworden – betete man im Heilig-Kreuz-Kirchlein nur mehr reformiert. Erst 150 Jahre später kehrte der katholische Glauben zurück, auf Geheiß der Düsseldorfer Kurfürsten. Viel Beifall ernteten die Hoheiten dafür im Steinachtal jedoch nicht. Gerade mal sechs Katholiken zählte Heiligkreuzsteinach, noch etwa zwei Handvoll mehr lebten in den umliegenden 14 Weilern. Die zahlreichen Protestanten bauten sich unten im Dorf inzwischen eine eigene Kirche.

1736 dann das Wunder: Quasi über Nacht avancierte Heiligkreuzsteinach zu einem der beliebtesten Wallfahrtsorte der Region. Ein Gönner hatte der Gemeinde zwei Original-Splitter vom Kreuz Christi vermacht. Wunderbar gefasst in eine Rokoko-Monstranz. Weil diese Reliquien im 18. Jahrhundert als besonders wirkmächtig galten, pilgerten die Gläubigen bald in Scharen hinauf zum Sändel.

Im Sog des Konzils räumte man das barocke Gotteshaus komplett leer

Eine Rarität: Der Kreuzweg aus Blech
entstand nach dem 2. Weltkrieg

Das romanische Chorturmkirchlein war diesem Ansturm nicht gewachsen. „Sogar bei ruhigem Wetter besteht die Gefahr, dass Gottesdienstbesucher durch einstürzendes Mauerwerk erschlagen werden“, meldete der Pfarrer dem Bischof in Worms. Eine neue Kirche müsse her. Oder besser: Ein Ensemble aus Kirche, Pfarrhof, Wirtschaftsgebäude und Schule. Groß, repräsentativ, spätbarock. Diese Anlage steht bis heute, weitgehend im Originalzustand. Das ist selten.

Nur die Kirche hat den Wandel der Zeiten nicht unbeschadet überstanden. 1971, im Sog des Konzils, räumte man das Gotteshaus komplett leer. Ja, man brach sogar den Chorbogen heraus. Zurück blieb eine schmucklose Halle, spärlich möbliert. Jammervoll.

Auf geheimnisvolle Weise wächst der Altar aus dem Boden heraus

Die Kreuzigungsgruppe ist
integriert in eine moderne Skulptur

Erst 2007 ging man daran, den Innenraum behutsam wiederherzustellen. Der Chorbogen und die alten Seitenaltäre kehrten zurück, der Putz leuchtete wieder in warmem Ockergelb. Vom Hochaltar gab es nur mehr die Figuren der Kreuzigungsgruppe. Sie wurden integriert in eine modernde Skulptur aus Stahl- und Betonplatten. Das neue Zentrum der Kirche.

Für den Zelebrationsaltar und den Fußboden wählte man denselben Neckartäler Buntsandstein. Auf geheimnisvolle Weise erscheint es nun, als wachse der Altar wie in uralten Zeiten organisch aus dem Boden heraus.

Kirchenfakten

Name: Heilig-Kreuz
Adresse: Silberne Bergstraße 7, 69253 Heiligkreuzsteinach
Konfession: katholisch
Baujahr: 1767
Baustil: Barock
Kunstschätze:
– Grabsteine aus der Renaissance in der Außenmauer der Sakristei
– Reliquie von Kreuz Christi in einer Rokoko-Monstranz
– Modernes Retabel aus Stahl als Hintergrund für die barocke Kreuzigungsgruppe
– Spätbarocke Seitenaltäre
– Seltener Nachkriegskreuzweg aus Blech (um 1947)
Öffnungszeiten: Normalerweise tagsüber geöffnet. Während der Corona-Pandemie jedoch nur nach Vereinbarung.
Kontakt: Katholische Kirchengemeinde St. Hildegund, Silberne Bergstraße 7-11, 69253 Heiligkreuzsteinach
Telefon: 06220-6561
E-Mail: pfarramt@kath-steinachtal-gemeinden.de
Internet: www.kath-steinachtal-gemeinden.de

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