Heinsheim: Der Berg der Gebete

Die Heinsheimer Bergkirche wacht über die älteste Kultstätte des Neckartals

Zugegeben, die 110 Stufen sind eine Herausforderung. Zumal es oben einen Parkplatz gäbe. Aber es ist viel passender, sich der Heinsheimer Bergkirche auf dem uralten Steinweg zu nähern. Stufe für Stufe bleiben Neckar, Dorf und Barockschloss zurück. Man taucht ein in die Aura des Kirchbergs. Er ist die älteste Kultstätte des Neckartals.

Schon die keltischen Druiden schrieben diesem Ort magische Kräfte zu. Zur Zeit der Römer stand hier wahrscheinlich ein Tempel, sicher aber ein Wachturm. Die Heinsheimer glauben, dass der Kirchturm ihrer Bergkirche auf römischen Quadern emporwächst. Zu Besuch auf durchbeteter Erde.

Romanik? Gotik? Für die Bergkirche taugen diese Schubladen nicht.

Den gotischen Chor zieren die ältesten Fresken des Neckartals.

Der erste Blickkontakt mit der Bergkirche überrascht. Eben noch hat man auf der Treppe das weite Panorama des Neckartals genossen. Jetzt, eine halbe Kehre später, blinzelt man hinauf zu einem massiven Wehrturm mit zierlichen Spitzbogenfenstern. Das ist noch Romanik? Oder schon Gotik?

Für die Bergkirche taugen diese Stilschubladen nicht. Weil diese Kirche irgendwie schon immer da war. So wie das Bächlein, das direkt hinter ihr entspringt. Im 7. Jahrhundert war diese Quelle ein heiliger Platz, an dem fränkische Missionare die ersten Christen getauft haben. Sehr wahrscheinlich haben die Mönche dafür eine Taufkirche errichtet. Erstmals offiziell erwähnt wurde diese Ur-Bergkirche im Jahr 965. Sie ist damit die älteste Kirche im Süddeutschen Raum. 1250 schließlich erhielt der Turm seine Spitzbogenfenster und das Kirchenschiff einen hübschen gotischen Triumphbogen.

Erst vor fünfzig Jahren hat man die Rittergruft unter dem Altar entdeckt

Der Christophorus am Eingang entstand 1280. Jahrelang war er übermalt.

Eine schwere Holztür öffnet sich ins Innere. Man steht und staunt. Der Chor der Bergkirche besitzt die ältesten und schönsten mittelalterlichen Wandmalereien des Neckartals. Die feinen pastellfarbigen Zeichnungen entstanden um 1250. Niemand weiß, warum man die Fresken später weiß überstrichen hat. Erst 1957 wurde die alten Malereien mühsam wieder freigelegt.

Die kostbaren Fresken künden vom Reichtum der Freiherrn von Ehrenberg, die den Neckar bei Heinsheim kontrollierten. Die Bergkirche war die Grablege der Barone, weshalb die Wände gepflastert sind mit prächtigen Grabsteinen. Vor eine halben Jahrhundert hat man auch die dazugehörigen Särge entdeckt. Sie stehen unberührt etwa einen Meter tief unter dem Altar in Rittergruften. 1528 haben die Ritter von Ehrenberg die Reformation eingeführt, ohne von ihren Untertanen zu verlangen, ebenfalls lutherisch zu glauben. Ein einmaliges Beispiel adliger Liberalität.

Wie Orgelpfeifen knien die acht Kinder zu Füßen des Gekreuzigten

Auf seinem Prunkepitaph kniet  Johann Heinrich von Ehrenberg mit seiner Familie

Womit wir bei dem sensationellen Spätrenaissance-Epitaph des Johann Heinrich von Ehrenberg wären. 1584 ist er mit nur 37 Jahren gestorben. Johann Heinrich hinterließ acht Kinder, die wie Orgelpfeifen auf dem Epitaph zu Füßen des Gekreuzigten knien.

Leider ging die Geschichte nicht gut aus. Kaum war Johann Heinrich bestattet, kehrte seine Frau Margarethe zum Katholizismus zurück. Sie bestimmte ihren jüngsten Sohn, der auf dem Epitaph als zweijähriger Knabe zu sehen ist, zum Priester und übergab ihn dem Bischof von Würzburg, damit dieser ihn zu seinem Nachfolger erziehe. 1624 wurde Philipp Adolf von Ehrenberg zum Bischof geweiht. Er soll 200 Dörfer mit Gewalt rekatholisiert und unzählige „Hexen“ verbrannt haben. 1647 ist das Geschlecht der Ritter von Ehrenberg erloschen.

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