Sindolsheim: Die Perle des Baulands

Die Laurentiuskirche ist eine der schönsten Dorfkirchen im Bauland

Die Straße folgt treu dem Lauf der Kirnau. Man sieht das Bächlein über Stromschnellen hüpfen, mäandert durch endlose Dinkelfelder, passiert Gehöfte und Grünkerndarren. Plötzlich steht sie da: Die Kirche von Sindolsheim. Munter, sonnengelb und mehr als 900 Jahre alt. Eine der schönsten Dorfkirchen im Bauland.

Weshalb sie Freiherr Johann Ernst Rüdt von Collenberg Ende des 17. Jahrhunderts zu seiner Grablege wählte. Der Baron ruht hier allein. Ohne seine Familie. Wie er es sich wohl sein Leben lang gewünscht hat.

Schon im 12. Jahrhundert haben die Menschen in Laurentius Schutz gesucht

Die schwere Holztür knarzt. Es klingt, als würde sie stöhnen. Man riecht die Feuchtigkeit in den romanischen Quadersteinen des Chorturms. Schon im 12. Jahrhundert haben die Menschen in der Laurentiuskapelle Schutz gesucht.

Die hauchzarten, frühgotischen Fresken strahlen frischrenoviert

Später flehten sie hinauf zu den hauchzarten Fresken im Kreuzrippengewölbe. Sie sind heute schöner denn je, denn die Sindolsheimer Kirche ist fünf Jahre lang restauriert worden. Jetzt strahlt Laurentius. „Die Perle des Baulandes“, sagen die Sindolsheimer.

Das Bauland ist eine offene Hochebene fast 500 Meter über dem Meeresspiegel. Wald gibt es wenig, Dörfer kaum, die flachen Hügel tragen riesige Äcker. Früher war das Leben hier karg. Man lebte von Kartoffeln, Brot und Kraut. Alte Sindolsheimer erinnern sich noch an die Freude, wenn das „Neunerglöckle“ im Dachreiter der Laurentiuskirche schlug. Dann war Frühstück.

Leonor und Catharina stürzten mit der Kutsche in die reißenden Fluten der Seckach

Munter, sonnengelb und mehr als 900 Jahre alt: Laurentius in Sindolsheim

Johann Ernst Rüdt von Collenberg kam 1640 zur Welt. Mitten im Dreißigjährigen Krieg. Der Vater starb, als der Junge vier Jahre alt war. Die Mutter schickte ihr einziges Kind zum Grafen nach Wertheim, der es erziehen sollte. Erst mit 26 kehrte Johann Ernst nach Bödigheim zurück, um das zerstörte Schloss aufzubauen und eine Dynastie zu gründen.

Beides gelang. Auch wenn von 13 Kindern nur zwei Söhne und zwei Töchter das Erwachsenenalter erreichten. Dramatisch endete das Leben von Leonor und Catharina, 17 und 18 Jahre alt. Auf einer Reise zur Großmutter in Adelsheim stürzten sie mit ihrer Kutsche in die Seckach, die nach der Schneeschmelze zum reißenden Strom gewordenwar. Ein Epitaph in der Sindolsheimer Kirche erinnert an das Unglück.

Bis heute sitzen die Männer von Sindolsheim oben auf der Empore

Die Grabstätte des Freiherrn Johann Ernst Rüdt von Collenberg

1563 wurde in Sindolsheim die Reformation eingeführt. Dabei blieb es. Bis heute glauben die 450 Sindolsheimer treu protestantisch. Was man in Laurentius sofort sieht. Von allen Seiten umrahmen Emporen das Kirchenschiff. Auf dem oberen Balkon versammeln sich bis heute die Männer. Frauen und Konfirmanden sitzen unten. Die Empore an der Stirnseite war der Patronatsfamilie vorbehalten. Die Adligen gelangten über einen eigenen Treppenturm zu ihrer Loge. Der Kirchengemeinderat platzierte sich prominent darunter im Chorgestühl.

Mitten in der Laurentiuskirche ließ Johann Ernst seine Gruft ausheben

1602 erhöhte man den Turm und modernisierte das Langhaus. Der erste Altar besaß vier geschnitzte Heiligenfiguren von Tilman Riemenschneider. Sie wurden ins Museum nach Karlsruhe entführt. Die Deckenmalereien aus dem Barock konnte man glücklicherweise nicht verschleppen. Sie sind eine Rarität.

Rokoko pur: Am kostbaren Alabaster-Retabel kann man sich nicht sattsehen

Wie auch das kostbare Alabaster-Retabel des Altars, an dem man sich nicht sattsehen kann. Das Kunstwerk des Rokoko hat wohl noch Johann Ernst Rüdt von Collenberg in Auftrag gegeben.

Um 1710 übersiedelte er ganz nach Sindolsheim. Sein Lebenswerk war vollbracht, die Linie gerettet. Blieb nur noch die Vorbereitung auf das Ewige Leben. Mitten in der Laurentiuskirche ließ Johann Ernst seine Gruft ausgeheben, dann gab er sein Epitaph in Auftrag. Man sieht ihn in Alabaster vor seinem Herrgott knien. Stattlich und doch demütig, zufrieden und – allein.

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