Ladenburg: Die Zuflucht der Bischöfe

Wer Ladenburg auf die Römer reduziert, greift zu kurz. Die Stadt am Neckar, die kein Krieg je zerstört hat, besitzt nicht nur eine zauberhafte mittelalterliche Altstadt. Sie war auch 300 Jahre lang die Residenz der Bischöfe von Worms.

Von dieser Zeit zeugen die hohe gotische St. Gallus-Kirche mit ihren zwei stolzen Kathedraltürmen und das einzige erhaltene Renaissance-Schloss der Kurpfalz. Ein Kirchenspaziergang durch eine zweitausendjährige Stadt, die an jeder Ecke mit neuen Überraschungen aufwartet.

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Spricht man mit alten Ladenburgern, dann beginnen sie weder mit den Römern noch mit den Bischöfen. Sie beginnen immer – mit Carl Benz. 1885 war es dem Ingenieur in Mannheim gelungen, das erste selbstfahrende Automobil zu bauen. Es hatte drei Räder und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Kilometern. Die Weltaustellung in Paris machte das Auto populär und Carl Benz zum reichen Mann.

1903 zog sich Benz – im Streit – aus seinem Mannheimer Unternehmen zurück. Mit Ehefrau Berta und seinen fünf Kindern übersiedelte er nach Ladenburg, wo er unweit des Wasserturms eine stattliche Villa erwarb.

In ihrem herrlichen Garten ließ Benz aus mittelalterlichen Steinen die erste Garage der Welt errichten. Sie sieht aus wie ein Wehrturm. Früher wohnte unten das Automobil, und oben tüftelte Benz. Heute ist der Garten ein öffentlicher Park. Hier beginnt unser Kirchenspaziergang.

 

Station 1: Römer, Allamannen und Franken

Wir wenden uns Richtung Innenstadt, überqueren die Neckarstraße und folgen der Bordhofstraße. Sie führt uns zur „Deichwiese“. Der Name verrät, dass hier im Mittelalter der Neckar floss, die Lebensader Ladenburgs.

Alle menschliche Kultur ist an Flüssen entstanden. Sie waren Verkehrsweg, Wasserlieferant und Jagdgrund zugleich. Der Name Ladenburg kommt aus dem Keltischen. „Lopa“ stand für Fluss, „dunon“ für Burg. Die Römer, die 72 nach Christus in Ladenburg ein riesiges Kastell errichteten, machten daraus „Lopodunum“. Die Fernstraße von Mainz nach Straßburg verlief mitten durchs Kastell hindurch.

Um 98 avancierte Ladenburg zur „civitas“, zur richtigen Römerstadt. Das Kastell wurde abgerissen, die neue Stadt in hochwassergeschützter Lage gebaut. Heute führt eine bequeme Treppe hinauf zur einstigen Stadtmauer von Lopodunum, an die der traumschöne „Bischofshof“ angebaut ist. Direkt neben der Treppe kann man noch ein paar römische Mauern bestaunen. Die Römerstadt lag etwa zwei Meter tiefer als unser heutiges Laufniveau.

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Mittelpunkt und Stolz der Stadt Lopodunum war ein Forum mit riesiger Marktbasilika. Der enorme Komplex maß 130 Meter in der Länge und 85 Meter in der Breite. Das Forum endete in dort, wo heute die beiden Türme von St. Gallus zum Himmel streben. Das Ladenburger Forum war das zweitgrößte Bauwerk der Römer in Deutschland. Nur in Trier, der römischen Hauptstadt, haben sie noch opulenter gebaut.

Den römischen Bewohnern von Lopodunum mangelte es an nichts. In den Markthallen gab es Luxuswaren aller Art: Tongefäße, Textilien, Glas. Ihre Lebensmittel bezogen die vornehmen Römer von der Markthalle an der Fernstraße nach Heidelberg. Man badete in einer Therme mit Fußbodenheizung und amüsierte sich in einem Amphitheater für 5000 Zuschauer.

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Mitte des 3. Jahrhunderts war es vorbei mit der römischen Hochkultur. Der Limes fiel, die Alamannen kamen. Die Jupiter-Giganten-Säule vor dem Bischofshof hat ein Römer 233 aus Angst vor den nahenden Horden in einen Brunnen gestürzt. Erst 1973 wurde sie gefunden. Die Aktion war vermutlich übereilt. Zwar konnten die Germanen mit der eleganten Römerstadt wenig anfangen. Sie zerstörten sie aber auch nicht,  sondern siedelten in Holzfachwerkhäuschen mit Schilfdach draußen vor den Toren bei den Feldern.

Um 500 schließlich wurde der Lobdengau Teil des fränkischen Reichs. Die Franken waren Christen, seit sich König Chlodwig I. medienwirksam hatte taufen lassen. Ladenburg fungierte fortan als fränkischer Königshof. Das römische Forum, noch immer ausgezeichnet erhalten, nutzten die Franken bis weit ins 8. Jahrhundert hinein als Begräbnisstätte. Weil aber das Frankenreich so riesengroß war, konnte der König nur sehr selten in Ladenburg wohnen. Dagobert I. „schenkte“ die Stadt deshalb 628 dem Bischof von Worms.

Das behauptete zumindest der Bischof. Heute wissen wir, dass die Urkunde gefälscht war. Das Bistum Worms brauchte unbedingt mehr Land, um sich gegen das mächtige Kloster Lorsch zu behaupten. Der Trick hat letztendlich funktioniert. 1011 überschrieb Kaiser Heinrich II. Ladenburg tatsächlich an Bischof Burchard, den Erbauer des Wormser Kaisersdoms.

Station 2: Bischofshof und Sebastianskapelle

Das Renaissance-Schlösschen der Bischöfe, heute Sitz des Lobdengau-Museums, stammt aus dem Jahr 1483. Zu dieser Zeit residierten die Exzellenzen bereits dauerhaft in Ladenburg, weil sie sich bis aufs Blut mit den Wormsern zerstritten hatten.

Worms war im Mittelalter eine reiche Stadt. Zahllose Reichstage haben hier stattgefunden, der Handel in der „Freien Reichsstadt“ blühte und gedieh. Wie auch das Selbstbewusstsein der Wormser Kaufleuten und Handwerker. Den Bischöfen als Herren der Stadt gefiel das überhaupt nicht. Sie stritten mit ihrem Volk um Geld und um Gottes Segen, um das irdische Vorrecht des Weinausschanks und das ewige Seelenheil. Kein Frieden, nirgends.

Als der Wormser Rat gar auf die Idee verfiel, die Geistlichkeit könne doch wie jeder andere Bürger Steuern zahlen, kehrten die Exzellenzen der Stadt Rhein wutentbrannt den Rücken und übersiedelten an den Neckar. Um auch hier standesgemäß zu residieren, bauten sie sich ein wunderhübsches Renaissance-Schlösschen, „Bischofshof“ genannt.  Die mittelalterliche Verteidigungsanlage der Stadt verwandelten die Exzellenzen in einen riesigen Park, in dem sogar Hirsche und Rehe lebten.

Der Bischofshof mit seiner eleganten manieristischen Bemalung entstand nicht in einem Guss. Jede Exzellenz hat eine Zutat hinzugefügt. Hier einen Erker, dort ein Türmchen, da ein weiteres Gemach. Ihre Visitenkarten pinnten die Bischöfe an die Außenwände. Das älteste Wappen befindet sich am Außenerker. Man erahnt einen gotischen Petrus, der das Wappen des Wormser Bistums hält: Einen silbernen Schlüssel auf schwarzem Grund umrahmt von acht goldenen Sternen.

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Der Bischofshof liegt noch immer sensationell schön. Wenn die Sonne scheint, fühlt man sich in seinem Park wie in Italien. Solch leuchtende Renaissance-Paläste gab es im 15. Jahrhundert viele in der Kurpfalz. Sie wurden alle im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Einzig der Ladenburger Bischofshof hat überlebt. Warum? Darüber kursieren viele Legenden.

Die hübscheste geht so: Als die Franzosen in Ladenburg einmarschierten, entdeckten sie in einem Bischofswappen am Eingang zum Bischofshof weiße Lilien. Die Soldaten hielten sie für das Zeichen des französischen Sonnenkönigs und erschraken fürchterlich. Womöglich machten sie mit der Vernichtung Ladenburgs einen großen Fehler? Schnell rückten die Soldaten wieder ab.

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Wo heute die Grundschule lehrt, befand sich früher der Festsaal der Bischöfe. Daneben steht die Palastkapelle, dem heiligen Sebastian geweiht. Sie ist eines der ältesten christlichen Bauwerke der Region. Teile des Turms stammen noch aus dem 8. Jahrhundert, der Zeit der Franken. Das frühromanische „Querschiff“ entstand um 1050. Die vielen archaischen Dämonen, die auf den Simsen hocken, erinnern an den Wormser Dom. Spannend ist die achteckige steinerne Haube aus dem 13. Jahrhundert. Das Spitzdach kopiert die Nomadenzelte Syriens, die die Bischöfe auf ihren Kreuzzügen gesehen haben.

Der Innenraum der Sebastianskapelle ist prächtig ausgeschmückt mit Fresken, Blumen und Arabesken aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Ein besonders eindrucksvolles Fresko krönt den Triumphbogen. Man sieht Christus als Weltenrichter beim Jüngsten Gericht. Das Barock hat all diese Malereien übertüncht, erst 1960 wurden sie wiederentdeckt.

Ein Geheimnis hütet die Sebastianskapelle auch. Bei einer Renovierung entdeckten die Arbeiter unter dem Bodenbelag ein anonymes Grab. Vermutlich handelt es sich um die letzte Ruhestätte des Wormser Bischofs Ludwig-Anton von Pfalz-Neuburg, einem jüngeren Bruder des Kurfürsten. 1694 ist er mit nur 34 Jahren an der Pest gestorben. Merkwürdig nur: Es gibt in Düsseldorf Unterlagen über eine Leichenpredigt, die angeblich bei der Beisetzung des Bischofs in der Familiengruft der Pfalz-Neuburger gehalten wurde. Aber wer ist dann der Tote in Ladenburg? Niemand konnte das Rätsel bislang lösen.

Leider darf man die Sebastianskapelle momentan nicht betreten. Es besteht Einsturzgefahr. Immerhin haben sich das Erzbistum Freiburg und die Stadt Ladenburg jetzt auf ein Prozedere verständigt: Die Diözese renoviert die Kapelle, dann übernimmt die Stadt den Kirchenraum. Wann es soweit sein wird, steht in den Sternen.

Station 3: Die Basilika Sankt Gallus

Wir folgen der gebogenen Kirchenstraße, in der früher die Geistlichen und die Bediensteten der Bischöfe wohnten. Auf dem Pflaster sind die Umrisse der gewaltigen römischen Marktbasilika aufgemalt, die einst hier stand. Es ist ziemlich schwierig, sich die riesige Halle vorzustellen, die sich vom Bischofshof bis zum Chor von Sankt Gallus erstreckte. Die gotische Galluskirche steht auf den Fundamenten der römischen Halle. In ihrer Krypta von kann man noch die römischen Quadersteinblöcke bestaunen.

Die Krypta von St. Gallus ist der älteste Kirchenraum der Region. 1006 wurde sie von Bischof Burchardt geweiht. In Anwesenheit von Kaiser Heinrich II., der es sich nicht hatte nehmen lassen,  eigens für diese Weihe nach Ladenburg zu reisen. Die Unterkirche besitzt wunderschöne Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Man sieht Christus, der auf einem Regenbogen thront, und eine sehr frühe Darstellung des heiligen Franziskus. Leider ist die Krypta feucht, was den Fresken schadet. Der Zugang für Besucher wird nur noch selten gestattet.

Der zweite Turm war ein Privileg, das nur Bischofskirchen zustand

Die Gotik kam mit den Kreuzrittern nach Mitteleuropa. Die neuen mathematischen Formeln, die sie aus dem Orient mitbrachten, erlaubten es den Kirchenbaumeistern, den Druck der Gewölbe auf Rippen und Pfeiler abzuleiten. Die Kuppeln der Kathedralen schienen plötzlich zu schweben. Die Wände, ihrer Zentnerlast ledig, lösten sich auf in einem Meer aus farbigem Licht, das durch die hohen Spitzbogenfenster strömte. Alles war leicht. Alles war transparent. Alles strebte hinauf zu Gott.

Sankt Gallus war ist eine der ältesten gotischen Basiliken Deutschlands. Der kühne Chor entstand um 1250. Er war also schon da, bevor die Bischöfe endgültig nach Ladenburg übersiedelten. Und er war sicher reich ausgemalt. Das prachtvolle Langhaus mit dem federleichten Kreurippengewölbe kam erst 1412 hinzu. In diesem Jahr erhielt die Kirche auch ihren zweiten  Turm. Was eine hohe Ehre war. Zwei Türme besaßen im Mittelalter nur Bischofskirchen.

Dass Ladenburgs Basilika nicht ganz so sphärisch wirkt wie ihre Schwestern in Frankreich, liegt zum einen an den doch noch sehr stämmige Rundpfeilern. Zum anderen aber auch an den römischen Fundamente. Sie machen Sankt Gallus ungotisch breit. 1864 versuchten die Ladenburger ihre Kirche optisch zu strecken, indem sie das Schiff nach Westen um ein Joch verlängerten. Bei dieser Gelegenheit erhielt St. Gallus auch ein neugotisches Hauptportal. Das Tympanon über dem Portal zeigt unter dem dornengekrönten Christus ein irisches Mönchs-Quartett zu Füßen der Muttergottes. Zweiter von rechts ist der heilige Gallus.

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Die Basilika von Ladenburg muss in ihrer Jugend phantastisch ausgestattet gewesen sein.  Altar reihte sich an Altar, Gold glänzte, Kerzen funkelten. Die modernen Flügelaltäre, die je nach Festzeit verändert werden konnten, hatten wohlhabende Ladenburger Familien gestiftet. Als Anzahlung auf das ewige Seelenheil. Die bunten Fenster erzählten Heiligengeschichten und tauchten das Schiff in ein geheimnisvolles Schimmerlicht. All diese Pracht starb am Karfreitag des Jahres 1565. Auf den Scheiterhaufen des calvinistischen Kurfürsten.

Die Bischöfe von Worms waren nämlich die Alleinherren in Ladenburg. Seit 1386 mussten sie sich die Stadt mit dem Pfälzischen Kurfürst teilen. Fast zwei Jahrhunderte lang war das kein Problem. Doch dann, 1556, führte Ottheinrich in der Kurpfalz die lutherische Reformation ein. St. Gallus wurde nun von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt.

Besonders gut hat das nicht funktioniert. Bei der Weihnachtsmesse 1564,  so erzählt der Volksmund, soll der katholische Bischof den reformierten Pastor aus der Kirche vertrieben haben, indem er ihm das Psalmenbuch auf den Kopf schlug. Kurfürst Friedrich III., Ottheinrichs Nachfolger, interpretierte diese Tätlichkeit als klaren Vertragsbruch. Der strenge Calvinist schickte seine Soldaten, die die Kirche komplett leerräumten. Alle Kunstschätze und die kostbaren Altäre wurden verbrannt, die Wände geweißelt, wodurch die kostbare Fresken verloren gingen. Der Glanz von St. Gallus lag in Schutt und Asche. Die Kirche diente fortan als reformierte Stadtkirche Ladenburgs.

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Leider war das nicht der einzige Kahlschlag, den St. Gallus erdulden musste. Die reiche barocke Ausstattung fiel dem Historismus zum Opfer. Das historistische Mobiliar wurde in den 1970er-Jahre durch moderne Kunstwerke ersetzt. Nur die beiden barocken Figuren des heiligen Wendelin und des heiligen Gallus, die heute den Chor schmücken, haben wie durch ein Wunder überlebt. Sie künden von der einstigen Pracht des barocken Hochaltars. Von welcher Qualität in der Heidelberger Jesuitenkirche.  Petrus und Paulus in der Jesuitenkirche.

Heylmannsche Kreuz. Um 1625 entstandenes Straßenkreuz aus Schriesheim. aIm Dreißigjährigen Krieg in Ladenburg versteckt und um 1700 in St. Gallus aufgehängt. Wurde als wundertätig verehrt. Heylmannsche Kreuz: Straßenkreuz von hoher Qualität. Entstanden um 1625. Im Dreißigjährigen Krieg versteckt,um 1700 in der Kirche aufgehängt. Die modernen Fenster von Valentin Feuerstein von 1967 verstehen sich als Homage an die einstige gotische Bilderbibel

FRanzösischer Soldat im Pfälzischen Erbfolgekrieg überreichte einem Kapzinerpater der Kirchenschlüssel. Schloss ab und ließ niemanden mehr hinein. 1705 Galluskirche wieder katholisch. Evangelischen erhielten den Mönchshof.

Station 4: Die evangelische Kirche

Mehr als 100 Jahre lang war die Galluskirche die reformierte Stadtkirche. Sie wäre wahrscheinlich heute noch evangelisch, wenn sich im Pfälzischen Erbfolgekrieg nicht noch eine weitere Merkwürdigkeit ereignet hätte: Beim Rückzug begegnete der französische Kommandant einem Kapuzinermönch. Der Franzose drückte dem erstaunten Pater den Schlüssel für die Galluskirche in die Hand und suchte das Weite. Rasch schloss der Kapuziner die Kirche ab. Kein Reformierter konnte mehr hinein. 1705 erklärte der Kurfürst Sankt Gallus offiziell wieder für katholisch sei. Ab 1697 regierte ein katholischer Kurfürst die Kurpfalz. Sein jüngerer Bruder Ludwig Anton war Bischof von Worms. Inmitten eines stattlichen Heeres begab er sich nach Ladenburg, kaperte die Galluskirche und besetzte sie. Notgedrungen tauschten die Protestanten St. Gallus gegen das Parkstück, in dem heute die evangelische Kirche von Ladenburg steht.Die Evangelischen erhielten als Ausgleich das Gelände des ehemaligen Mönchhofs, das direkt an die Kirche grenzte. Bis heute sind mit dieser Lösung alle zufrieden.

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Die evangelische Pfarrfamilie von Ladenburg lebt in einem kleinen Paradies. Der Park ist voll von Sonne und exotischen Pflanzen, das barocke Pfarrhaus ein Schmuckstück und die neugotische Kirche exquisit renoviert. Hermann Behaghel, rastlose Badische Oberbaurat, hat sie 1878 entworfen. Als Zwilling. Ein baugleiches Gotteshaus steht in Sandhausen. Mehr als 30 neugotische Kirchen hat Behaghel im Rhein-Neckar-Raum gebaut. Viele von ihnen sind wie die Ladenburger Kirche namenlos.

1876 bis 1878. Überreich ausgeschmückt. Bei der Renovierung 1996 bis 1998 viel von dem ursprünglichen Ausschmückungen wieder hergestellt. Schablonenmalerei mit Bordüren florale Motive. Chorfenster Himmelfahrt Christi. Liebevoll gepflegter Bibelgarten.

1958 hatten Ladenburgs Protestanten genug von Schablonenmotiven, von Engeln mit Spruchbändern präsentierten und von filigranem Schnitzwerk. Die neugotische Einrichtung verschwand. Die Sachlichkeit der Sechziger hielt Einzug.

1997 dann die Kehrtwende. Historistische Kirchen waren plötzlich wieder der letzte Schrei. Mit viel Mühe und Geld wurde die neugotische Holzdecke freigelegt, der Chor und die Wände mit Girlanden und Rankwerk, Lilien und Passionsblumen geschmückt.  Pfarrer David Reichert gefällt es: „Ich fühle mich wie im Blumengarten Gottes.“

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